de en

Der Schatz der Monte Olivia

Silberobjekte aus dem Scheerhafen Kiel

Im Sommer 2022 führten wir als Scientific Diving Association e.V. (SDA) Kiel einen Tauchgang im Bereich des Kieler Scheerhafens durch. Zuvor hatten Angler gemeldet, dass ihre Angelhaken am Grund hängen blieben. Auf dieser Grundlage gingen wir zunächst von einem verlorenen Fischernetz aus.

Am 30. August 2022 tauchte ein vierköpfiges Team der SDA an der gemeldeten Position ab. Während des Einsatzes bestätigte sich jedoch, dass sich am Grund kein Netz befand. Stattdessen stießen wir auf ein großflächiges Areal mit zahlreichen metallischen Objekten.

Nach dem Auftauchen wurden die zunächst als Schrott eingeschätzten Fundstücke durch den Einsatzleiter und erfahrenen Wracktaucher Hubert als Teile der Ausstattung eines Schiffes identifiziert. Eine anschließende Reinigung und Sichtung ergab, dass es sich um Bestandteile eines Silbergeschirrs der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft handelte.

Historische Einordnung

Recherchen ergaben, dass an der Fundstelle am 3. April 1945 das Passagier- und spätere Lazarettschiff Monte Olivia infolge eines britischen Luftangriffs im Kieler Scheerhafen kenterte. Das Schiff wurde 1946 geborgen und vor Ort zerlegt. Offenbar verblieben dabei Teile der Bordausstattung und des Inventars auf dem Grund des Hafens.

Während der Arbeiten dokumentierten wir ein ausgedehntes Fundgebiet mit größeren Metallteilen und weiteren Gegenständen, darunter Gefäße, die sich als silberne Tee- und Kaffeekannen herausstellten. Aufgrund des Umfangs der Funde war klar, dass weitere Tauchgänge erforderlich waren.

Genehmigungen und weitere Bergungen

Vor der Fortsetzung der Arbeiten wurde eine Nachforschungsgenehmigung beim Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein beantragt und erteilt. Zudem wurden die zuständigen Behörden, darunter Wasserschutzpolizei und Hafenamt, informiert.

In mehreren folgenden Einsätzen konnten wir zahlreiche Objekte bergen, darunter Besteckteile, Teller, Tassen und Schüsseln. Insgesamt dokumentierten und bargen wir rund 300 Artefakte. Zusätzlich kamen persönliche Gegenstände, medizinische und pharmazeutische Geräte sowie diverses Schiffszubehör ans Tageslicht. Größere Objekte befinden sich weiterhin am Fundort.

Umgang mit dem Fund

Das Archäologische Landesamt stellte fest, dass die geborgenen Objekte nicht unter das Denkmalschutzgesetz des Landes Schleswig-Holstein fallen. Für uns war von Beginn an klar, dass der Fund nicht kommerziell verwertet werden soll, sondern als geschlossener historischer Zusammenhang erhalten bleiben muss.

In Abstimmung mit der Hamburg Süd sowie dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg (IMMH) entschieden wir, die Objekte an das IMMH zu übergeben. Dort wird auch das Archiv der Reederei betreut. Die offizielle Übergabe und Bekanntgabe des Fundes, erfolgte am 3. Mai 2023. 

Seitdem werden die Artefakte wissenschaftlich dokumentiert und im IMMH der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Bilder können per Klick in einer vergrößerten Ansicht geöffnet werden.