Müll und Abfälle sind eines der zentralen Umweltprobleme der Ostsee. Aufgrund des geringen Wasseraustauschs mit der Nordsee verbleiben eingetragene Stoffe über lange Zeiträume im System. Abfälle aus Kunststoff, Metall oder Verbundmaterialien sinken ab, lagern sich am Meeresboden ab oder werden in Küsten- und Hafenbereichen angespült.
Neben kleinteiligem Müll finden sich regelmäßig großvolumige Gegenstände im Wasser, darunter Fahrräder, E-Scooter, Elektrokleingeräte oder Mülltonnen. Diese stellen eine Gefahr für marine Organismen dar, beeinträchtigen Lebensräume und können Schifffahrt, Wassersport und Tauchsport behindern.
Wir führen seit mehreren Jahren regelmäßig Clean-Up-Einsätze in der Ostsee durch, mit einem Schwerpunkt in der Kieler Förde. Ziel ist die tauchgestützte Bergung von Müll und Abfällen aus dem Wasser sowie die Reduzierung langfristiger Umweltbelastungen.
Cleanups in der Ostsee und der Kieler Förde
Die Kieler Förde ist ein stark genutzter Küstenraum mit Häfen, Yachthäfen, Bade- und Wassersportbereichen. Entsprechend hoch ist der Eintrag von Müll und Abfällen.
Die Clean-Up-Einsätze erfolgen sowohl im Rahmen geplanter Maßnahmen als auch anlassbezogen nach Extremwetterereignissen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Hafenbecken, Steganlagen und ufernahen Bereichen, in denen sich Abfälle ansammeln.
Sturmfluten führen zu erheblichen Schäden an Küsteninfrastruktur und zu massiven Einträgen von Müll ins Wasser. Zerstörte Stege, beschädigte Boote und lose Ausrüstung sinken ab oder treiben frei in der Förde.
Nach der schweren Sturmflut im Oktober 2023 kam es auch in der Kieler Förde zu erheblichen Schäden. Zahlreiche Yachten sanken, Steganlagen wurden zerstört, und große Mengen von Trümmern und Ausrüstungsgegenständen gelangten ins Wasser.
Am 4. und 5. November 2023 beteiligte sich die SDA an einem Clean-Up-Einsatz in Schilksee. Der Einsatz erfolgte gemeinsam mit der DLRG, dem ASB, Mission Förde und den Tauchjunkies. Ziel war die Bergung von Müll und gefährlichen Gegenständen, um Umweltbelastungen zu reduzieren und Risiken für Menschen und Infrastruktur zu minimieren.
Mikroplastik
Ein wesentlicher Teil der Belastung der Ostsee entsteht durch Mikroplastik. Dabei handelt es sich um Kunststoffpartikel, die durch den Zerfall größerer Kunststoffgegenstände entstehen.
Auch größere Abfälle tragen langfristig zur Mikroplastikbelastung bei. Kunststoffe zerfallen unter mechanischer Belastung, UV-Strahlung und Alterung in immer kleinere Fragmente. Besonders relevant sind dabei Kunststoffe aus der Schifffahrt und Fischerei.
Geisternetze spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Sie bestehen aus langlebigen Kunststoffen und tragen durch Abrieb und Alterung erheblich zur Mikroplastikbelastung bei.
Durch die Entfernung von Müll und Abfällen im Rahmen von Cleanups wird nicht nur eine akute Gefahr beseitigt, sondern auch der zukünftige Eintrag von Mikroplastik reduziert.
Mitmachen
Die Clean-Up-Aktionen werden in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Vereinen und Freiwilligen durchgeführt.
Interessierte können sich unter info@sda-kiel.de an die Scientific Diving Association e.V. wenden.
Die Bilder können per Klick in einer vergrößerten Ansicht geöffnet werden.